Ernährung ist viel mehr als die Summe der Nährstoffe

Ernährung spannt den Bogen vom Acker auf den Teller. Je gesünder die Erde, desto gesünder, was auf den Tisch kommt. Als Konsumenten wollen wir wissen, sehen, schmecken, wie es unsern Lebensmitteln geht. Wir wollen «dem Lebensmittel begegnen».

«Meet food, not nutrients» nennt Hanni Rützler, Expertin für Ernährungstrends, ein wachsendes Bedürfnis. Wir wollen erfahren, woher die Macadamianüsse kommen, wie sie verarbeitet werden und ob die Kleinbäuerin in Kenia, die sie erntet, genügend Land zur Ernährung ihrer Familie zur Verfügung hat. Wir wollen den typischen Eindruck vom Kohlrabi erleben und nicht lediglich eine hellgrüne, feste wässrig fade Knolle schmecken.

Vielfältig wie ein schönes Konzert

Doch gehen wir einen Schritt zurück. Sie haben sich sicher schon gefragt, was gesunde Ernährung ist. Soll man die Nährwertempfehlungen befolgen und auf entsprechende Zufuhr von Eiweiss, Fett, Kohlenhydraten, Mineralstoffen und Vitaminen achten? Würde uns ein Gemisch von Nährstoffen schmecken und uns befriedigen? Weil wir auf Rüebli und nicht auf Carotinoide, auf Birchermüesli und nicht auf Beta- Glucane Appetit haben, fühlen wir uns nicht ernährt, wenn wir bloss die Inhaltsstoffe berücksichtigen, sie zu uns nehmen. 

Ein Text ist mehr als die Summe der verwendeten Buchstaben. Eine Melodie erkennen wir ja auch nicht an den einzelnen Noten. Eine gesunde Ernährung ist ein Zusammenspiel vieler Komponenten und Faktoren, von Wissen, Können, Fertigkeiten, von Achtsamkeit, Sorgfalt und Qualität: ein Konzert. Wie die Speise zubereitet und präsentiert wird gehört ebenso dazu wie die Qualität des Bodens, der Anbau, das verwendete Saatgut, die Gesundheit und Vitalität der Rohstoffe, Produkte, Lebensmittel.

Bewusst essen fördert Gesundheit und Genuss

Beim Essen fängt der ganz persönliche Beitrag zur gesunden Ernährung an: Bewusst wahrnehmen, was auf dem Teller liegt, wie es riecht und aussieht und wie es schmeckt. Damit hört die Mahlzeit nicht auf; ich bleibe bei mir und beobachte, wie ich sie vertrage und ob ich mich ernährt und gestärkt fühle. 

Für Ernährungstherapeuten ist das bewusste Essen der erste Schritt zur Gesundung. Wenden wir uns der Mahlzeit in dieser Art zu, merken wir bald, dass wir für die Qualität der Lebensmittel feinfühlig werden und wir merken, ob wir das Rüebli als Rüebli und die Milch als Milch erleben. Diese «innere» Qualität wird durch die biodynamische Landwirtschaft gefördert. Deutlich ist dies beim Wein zu schmecken: Das Terroir kommt ausgeprägter zur Geltung.

Dr. Jasmin Peschke
Dr. oec. troph., Sektion für Landwirtschaft

Literaturhinweise:

Masson, P. und Masson, V. (2015). Landwirtschaft, Garten- und Weinbau biodynamisch. AT Verlag, Aarau

Hurter, U. (2014). Agrikultur für die Zukunft. Verlag am Goetheanum, Dornach

Rudolf Steiner. Geisteswissenschaftliche Grundlagen zum Gedeihen der Landwirtschaft. Rudolf Steiner Verlag, Dornach

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