Die Natur wissenschaftlich hautnah erfahren

Die Natur setzt sich aus vielen Lebensgemeinschaften zusammen, die aufeinander wirken und miteinander in einer Wechselbeziehung stehen. Sie wissenschaftlich
zu begreifen heisst, sie als Ganzes zu sehen, sie achtsam zu erforschen und zu erkennen.

Biologieunterricht soll auch lebenspraktisch sein. Lebendig wird er in der unmittelbaren Begegnung mit den Naturphänomenen. Das im Unterricht vorbereitend Erarbeitete kann in der direkten Auseinandersetzung mit der Natur und deren intensivem Erleben zu neuen Fähigkeiten gewandelt werden. Dies besonders dann, wenn die Natur und ihre grossartigen Phänomene nicht nur betrachtend wahrgenommen, sondern diese Beobachtungen durch eigenständig-erforschendes Studieren und Erleben der Naturgesetzmässigkeiten vertieft werden.

Spurensuche zu eigenständigen Erkenntnissen.

Eine Landschaft in ihrer Lebendigkeit verstehen

Die Ökologie hat aufgrund der heutigen Umweltsituation eine ganz besondere Aufgabe. Deshalb wird im Meeresbiologie-Ökologie-Praktikum der elften Klasse (17-jährige Schülerinnen und Schüler) der Atelierschule Zürich nicht nur das genaue Studium der einzelnen Organismen exakt geübt, sondern vor allem deren Zusammenwirken in den verschiedenen Lebensgemeinschaften. Für dieses Praktikum wurde die Insel Ile d’Yeu gewählt. Sie liegt im Atlantik, 20 km westlich der Vendée/Pays de La Loire/Frankreich. Sie bietet kleinräumig ein Mosaik verschiedenster Biotope und Biozönosen (zum Beispiel Wattgebiete), die vergleichend studiert werden können. Um das fächerübergreifende, also interdisziplinäre Denken und Vorgehen erlebbar zu machen, werden einerseits Astronomie, andererseits die einen Lebensraum prägenden abiotischen Faktoren wie Klima, Atmosphäre, Wasser und Licht mit einbezogen. So kann eine Landschaft in ihrer ganzen Lebendigkeit verstanden werden.
Die Ile d’Yeu zeigt kleinräumig eine Vielzahl verschiedener Lebensräume, einerseits eine Dünenküste mit kleineren Sandwattgebieten und einer prächtigen Dünenvegetation mit einer Vielzahl mediterraner Pflanzen, andererseits eine zerklüftete, felsige Steilküste mit aus geprägten Felswattbereichen und einer vom Wind geformten Vegetation mit Pflanzengesellschaften, die an europäische Mittelgebirge erinnern.
Als Aufgabenstellungen für die praktische Feldbiologie ergeben sich Studien im Sand- und im Felswatt (Kennenlernen der Algen, auch durch Schnorchelexkursionen, Beobachten der verschiedenen Tiere), Untersuchungen der Dünenvegetation (Wuchs- und Gestaltformen; Pflanzengesellschaften und deren Sukzession, d.h. die Abfolge ineinander übergehender Systemzustände von Pflanzen- oder Tiergesellschaften) und die Untersuchung der die Klippen besiedelnden Pflanzen. Abgeschlossen werden diese Einzelbeobachtungen durch vergleichende Studien der unterschiedlichen Lebensräume.

Die grossen Zusammenhänge in der Natur erkennen und sie verinnerlichen und vertiefen.

Globale Sicht, die den Kosmos einbezieht

Diese an den entsprechenden Standorten zu bearbeitenden Fragen werden zu Protokollen ausgearbeitet und durch seminaristische Arbeit so vertieft, dass aufgrund der konkreten Untersuchungen die globalen Zusammenhänge erfasst und verstanden werden können. Durch die Astronomie und die regelmässigen Gestirnsbeobachtungen wird nicht nur die Erde als Ganzes, sondern auch ihre Beziehungen zum Kosmos angesprochen.
Ein Teilnehmer (Simon Zürrer) schreibt im Rückblick auf das Praktikum: «Wenn ich nach fast einem Jahr zurückblicke, spüre ich die Begeisterung wieder hochkommen, die damals die ganze Klasse erfüllt hatte: Die drei Wochen auf dieser unglaublich schönen Insel, die tägliche Arbeit in der Natur bei jedem Wetter, die Mobilität durch die Velos, das Erfahren und Erkennen von ökologischen Zusammenhängen, die Gespräche über Naturphänomene und Umwelt, das Zusammenleben mit der Klasse, die nächtlichen Astronomiebeobachtungen mit dem Teleskop und mit dem Mikroskop die Betrachtungen des Meerwassers, speziell des Planktons ... All dies und vieles mehr machte dieses Meeresbiologie-Ökologie-Praktikum zu einem unvergesslichen Erlebnis und führte zu einem erhöhten Bewusstsein und Interesse für die sensiblen ökologischen Zusammenhänge auf dieser Welt.»

Dr. Ulrich Wunderlin

Literatur:
Bildung und Lebensgestaltung ehemaliger Schüler von Rudolf Steiner Schulen in der Schweiz: eine Absolventenbefragung;
D. Randoll/H. Barz (Hrsg.);  ISBN 978-3-631-56491-2

Lebenstüchtig: 42 Porträts von ehemaligen SchülerInnen, Preis: CHF 5.– (plus Versand), zu bestellen unter www.steinerschulen.ch

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Ehemalige Rudolf Steiner Schüler bauen Auto der Zukunft

Die Gebrüder Piffaretti, Erbauer des Elektro-Sportwagens Lampo

Marco Piffaretti hat einen Sportwagen mit reinem Elektroantrieb entwickelt, sein Bruder Dario hat ihn beim Bau des Prototyps unterstützt. Der Sportwagen wurde im März 2009 am Automobilsalon in Genf vorgestellt.
Die Idee von Marco Piffaretti ist es, analog der Minergie-Häuser Autos zu bauen, die höchst effizient sind. Ein Elektroantrieb ist sechsmal energieeffizienter als ein Verbrennungsmotor. Gleichzeitig schont er die Umwelt, besonders wenn er mit Solarstrom gespiesen wird.
Entscheidend für sein ganzes Leben war die erste Physikstunde in der Rudolf Steiner Schule Lugano. Sein Lehrer, Carlo Rizzi, ging mit der Klasse und einem Gong in die Stadt. Er schlug den Gong am einen Ende einer Gasse, die Schüler standen am andern Ende und erlebten, dass die Geschwindigkeit des Lichts viel schneller ist als diejenige des Tons. Die Schüler haben also nicht zuerst Formeln gelernt, sondern Physik ganz real erfahren. Seither fragt er, wie die Dinge wirklich sind, beobachtet und denkt mit dem eigenen Kopf. www.protoscar.com

Sein Bruder Dario hat eine Präzisionswerkstatt. Das erfordert Flexibilität, Präzision und das frühzeitige Erkennen neuer Kundenwünsche. Von grosser Bedeutung war für ihn, wie die Lehrer in der Rudolf Steiner Schule Zürich ihn begleiteten und stützten, sodass er seinen eigenen Weg finden und gehen konnte. Trotz Problemen in Mathematik vermochten die Lehrer sein Interesse und seine Freude an Mathematik zu wecken. Ohne Freude an der Mathematik wäre er heute nicht in der Lage, seine Firma zu führen. www.metaltool.ch