Vorgeburtliches Leben und Geburt

Guter Hoffnung, in Erwartung sein. Diese Worte beschreiben die Gemütsverfassung von werdenden Müttern: Die Frauen erwarten die Geburt ihres Kindes, sie hoffen, dass es gesund zur Welt kommt, hoffen auf ein gutes Leben für das Kind.

Oft fühlen die Mütter vor der Schwangerschaft das Wesen, das zu ihnen kommen will. Einige träumen vom Kind, das sie als Mutter auserwählt hat. 

Oft fühlt die Mutter das Wesen, das zu ihr kommen will

Das Kind erlebt als Embryo in der Gebärmutter das Ur-Behütetsein. Über die Mutter erlebt es das Leben ausserhalb dieser Hülle, die Freuden und Sorgen der Mutter. Es hört die Stimmen der Menschen, vor allem diejenigen der künftigen Eltern und Geschwister; auch Musik hört es mit. Die Hebammen empfehlen den Müttern, sich in der Schwangerschaft Zeit zu nehmen, das Kind zu spüren und zu fühlen, was es ihnen mitteilen will.

Die Mütter wollen das Beste für ihr Kind. Sie haben Fragen zu den Untersuchungen während der Schwangerschaft, vor allem zum Ultraschall. Einige lehnen diese Untersuchungsmethode ab. Erfahrene Hebammen in Geburtshäusern empfehlen den Ultraschall in der 21. Schwangerschaftswoche zur Überprüfung des Organwachstums und weiterer Hinweise, welche für die Geburt wichtige Informationen geben.

Sich in die Welt vortasten

Die Geburt eines Kindes ist für jede Mutter ein einmaliger, ganz besonderer Moment. Wenn Mutter und Kind gesund sind, sollte das Kind den Geburtstermin bestimmen und nicht die Eltern oder die Ärzte. Bei einer Geburt ist es wichtig, dass die Hebammen bzw. die Ärzte Mutter und Kind viel Zeit lassen. Das Beste ist, wenn die Mutter in einem ruhigen Zimmer, ohne Hektik und äussere Einflüsse, ihr Kind gebären kann. Bei einer Spontangeburt ohne Medikamente produziert die Mutter durch die Geburtsschmerzen Hormone, die auch aufs Kind übergehen und bei beiden die Schmerztoleranz erhöhen. Der Geburtsschmerz unterstützt den Geburtsvorgang, schützt Mutter und Kind vor Schaden und führt sie sicher durch die Geburt. Die Endorphine (Glückshormone) und das Oxytocin (Bindungshormon) sind wichtig für Mutter und Kind. Diese Hormone sind beim Notfallkaiserschnitt auch vorhanden, hingegen kaum bei der programmierten Schnittgeburt.

Der Durchgang durch den Geburtskanal ist auch ein intensives Erlebnis für den Tastsinn des Kindes. Denn über das Tasten und die Berührung kommen die Kinder besser in ihren Körper. Die Kaiserschnittkinder benötigen in den ersten Lebensmonaten noch viel mehr zärtliche Zuwendung und Berührung.

Zeit haben für das Neugeborene

Für die Mutter ist der grosse Glücksmoment unmittelbar nach der Geburt, wenn das Kind auf ihrer Brust liegt. Jetzt brauchen die beiden Ruhe und Zeit, warme Hüllen und abgedämpftes Licht. Dieser Augenblick ist kostbar, Mutter und Kind sollen nicht gestört werden. Das Kind erkennt die Mutter, riecht sie, hört den vertrauten Herzschlag, erkennt die Stimmen von Mutter und Vater. In den ersten zwei bis drei Stunden nach der Geburt sind die Kinder wach, dann fallen sie für fünf bis sechs Stunden in den sogenannten Geburtsschlaf.

Die Mütter sollten in den ersten zwei bis drei Wochen Zeit haben für ihr neugeborenes Kind, sollten frei sein von Verpflichtungen und Terminen. Jemand anderes sollte sich um den Haushalt und die älteren Kinder kümmern. Die Mutter ist in den ersten Wochen nach der Geburt durch ihre spezifische Hormon-situation getragen. Den Vätern wird empfohlen, sich nicht zu viel zuzumuten, denn sie verfügen nicht über diese Hormone.

Mit der mütterlichen Gegenwart, mit ihrer Liebe und grossen Zuwendung kann das Neugeborene gut auf Erden ankommen.


Zusammenfassung des Gesprächs mit Ines Kolb 
Hebamme

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Das Gute an Kinderkrankheiten
Die Kindheit ist ein kostbares Gut, in ihr liegt ein grosses Entwicklungspotenzial, das ausschlaggebend für die spätere seelische und körperliche Gesundheit ist.

Trotz Impfungen in der allerfrühesten Kindheit sind unsere Kinder nicht widerstandsfähiger und gesünder geworden. Womit hängt das zusammen?

Einerseits ist die Entwicklung des Kindes von der Vererbung, andererseits aber auch von seiner individuellen Persönlichkeit abhängig. Erbmerkmale sind verantwortlich für die körperliche Entwicklung des Menschen und werden von Generation zu Generation weitergetragen. Seelische Eigenschaften hängen jedoch nicht mit der Vererbung zusammen, sondern mit der individuellen Persönlichkeit des Kindes. Beide Phänomene sind nicht kongruent und müssen sich einander anpassen. Man kann die Anpassungsschwierigkeiten auch als einen Kampf bezeichnen, der in den klassischen Kinderkrankheiten wie Masern, Scharlach, Röteln, Windpocken, Keuchhusten und Dreitagefieber zum Ausdruck kommt.

Die typischen Kinderkrankheiten sind dadurch gekennzeichnet, dass sie zum einen Infektionskrankheiten sind und zum anderen meist mit hohem Fieber einhergehen und sich grösstenteils in Form eines spezifischen Hautausschlags auf der Haut abspielen.Das begleitende Fieber zeigt, dass die Individualität des Kindes sich entwickelt. Auch die Hauterscheinungen sind ein Zeichen dieses Umbaus, ähnlich wie man es bei der Häutung der Schlangen beobachten kann.

Auf den wichtigen Zusammen-hang zwischen fieberhaften Kinder-krankheiten und Krebserkrankungen im späteren Erwachsenenalter sei hier nur am Rande hingewiesen. Das Risiko erwachsener Frauen, an Gebärmutterhalskrebs zu erkranken, ist erheblich höher, wenn diese Frauen keine Kinderkrankheiten durchgemacht haben oder dagegen geimpft wurden.

Kinderkrankheiten helfen dem Kind in seiner Entwicklung.

Kinderkrankheiten können also durchaus einen Sinn und eine Bedeutung haben, wenn sie als notwendige Entwicklungskrankheiten angesehen werden, die das Kind in seiner körperlichen und seelisch-geistigen Entwicklung und Gesundheit fördern. Zweifellos erfordert der Umgang mit ihnen eine differenzierte Vorgehensweise, die den ganzen Menschen und sein Umfeld berücksichtigt und miteinbezieht. Dies ist nur möglich, wenn das Kind während der Krankheit 24 Stunden liebevoll umsorgt werden kann.

Erdmut J. Schädel
Dr. med., Kinderarzt