Kuhhörner, mehr als ein Kopfschmuck

Biologisch-dynamische Landwirtschaft ist ganzheitliche Landwirtschaft mit artgerechter Tierhaltung und -fütterung. Dass sie fürs Wohlergehen der Tiere, für das Gleichgewicht der Höfe und für die Bodenfruchtbarkeit wichtig ist, zeigt sich am Beispiel der Kuhhörner.


Kühe mit Hörnern sind alles andere als selbstverständlich geworden. Hornlosigkeit ist schon fast die Norm. Kühe auf biodynamischen Höfen (Demeter) sind ganze Kühe: Sie  tragen ihre Hörner.

Erst zart, dann majestätisch.

Das frisch geborene Kälbchen schüttelt den Kopf, die platschnassen Ohren beginnen schon zu horchen. Die Sinnesorgane und Gliedmassen sind vollständig ausgebildet, nichts fehlt: Die Lider sind offen, staunend der Blick aus den grossen Augen. Und schon nach ein bis zwei Stunden steht es auf seinen vier Beinen, findet das Euter der Mutter und saugt die erste Milch. Alles ist da und funktioniert. Was noch in Erscheinung treten wird, das sind die Hörner.

Denn diese wachsen erst allmählich. Zart spriessen sie beim drei Monate alten Kalb, das schon Heu und Gras frisst. Mit etwas Glück ist das Gehörn schön geformt, wird zum geschwungenen Horn im mittleren Lebensalter und dann bei der Altkuh zum majestätischen Kopfschmuck. Das ganze Leben lang wächst das sehr harte Organ Horn und wird immer vollkommener.

Mit dem Gehörn den sozialen Raum bilden.

Jede Kuhherde hat eine Rangordnung, ist ein soziales Gebilde. Parallel mit den langsam wachsenden Hörnern lebt das Tier in diese Umgebung der Herde hinein. Aus dem Schutz suchenden Kalb wird die souveräne Königin der Herde. Stolz trägt sie ihre schön ausgebildeten Hörner und kann mit einer Bewegung des gehörnten Kopfes in die Rangordnung der Herde eingreifen. Die Hörner sind damit wesentliches Organ zur Bildung des sozialen Raumes für das Tier. Eine Kuh mit Hörnern bietet einen stolzen und schönen Anblick. Das Horn als Sozialorgan erlaubt den Kühen, das labile Gleichgewicht zwischen Einzeltier-Sein und Herdentier-Sein zu finden und zu halten.

Entfalten lassen statt enthornen.

Auf den biodynamischen Höfen sollen die Tiere sich wohl fühlen, sich ihrer Art gemäss entwickeln und entfalten und ihre Hörner tragen können. Ställe, Ausläufe und die technischen Einrichtungen sind gemäss diesen Bedürfnissen gestaltet. Das soziale Gleichgewicht der Herde kann gestört sein, etwa wenn für die behornten Tiere zu wenig Platz vorhanden ist. Die Kühe sind dann unruhig und können aggressiv werden. Enthornte Kühe brauchen weniger Platz, die Kosten für den Laufstall sind tiefer. Platzbedarf und Kosten sind die beiden häufigsten Gründe für das Enthornen der Kühe. Die Regel ist, dass den Kälbchen die Hornansätze weggebrannt werden. Neuerdings werden auch Rassen eingesetzt, denen das Horn weggezüchtet wurde. Der Mensch nimmt damit den Tieren Organe weg, die Teil der Kuh sind. Die Erfahrungen zeigen, dass Kühe mit Hörnern bei genügend Platz im Laufstall kein Problem sind.

Spenden

Das Demeter-Engagement geht übers Horn hinaus

Der Verein für biodynamische Landwirtschaft und freie Initiativen forschen zusammen mit dem FiBL, den Höfen und Demeter-Partnern an den wichtigen Fragen der zukünftigen Landwirtschaft. Die Früchte dieser Forschung stehen allen Interessierten zur Verfügung: 

  • Die Pflanzenzüchtung und der Umgang mit dem Saatgut Tierzucht unter Berücksichtigung der artgerechten Bedürfnisse
  • Die kosmischen Rhythmen und ihre Wirkung auf die Natur
  • Der langfristige Humusaufbau, auch zur erwünschten Bindung des überschüssigen Kohlenstoffes im Boden (Klimawandel)
  • Die ethische Verantwortung des Menschen gegenüber der Natur
  • Die Aufgaben der Landwirtschaft im sozial-ökonomischen und gesellschaftlichen Kontext Geschmack- und gehaltvolle Lebens-Mittel als Mittel zum Leben

Für viele dieser Aspekte kommen fruchtbare Erkenntnisse aus den Vorträgen von Rudolf Steiner, insbesondere aus dem Landwirtschaftlichen Kurs, auf dem die biodynamische Landwirtschaft fusst.