Aktuelles - Oktober 2010

Wie der Apfel, so das Leben

Die Lebensprozesse in der Natur können uns sinnbildlich die Entwicklungsstufen des menschlichen Lebens aufzeigen. Begleiten wir einen Apfel vom Samen bis zur Reife.

Lenken wir unseren Blick auf das Lebensgeschehen der Natur, so fällt uns zunächst auf, wie alles Belebte in ständigem Fluss ist. Vergeblich suchen wir nach Anfang und Ende – der Lebensstrom entspringt im Nebel der Vergangenheit und fliesst in die Ferne der Zukunft. Keimen, Sprossen, Fruchten und Reifen jedoch können wir als Lebensphasen mit zyklischer Abfolge deutlich darin erkennen. Dies soll am Beispiel des Apfels im Folgenden näher beleuchtet werden.

Vom Apfelkern zum Apfelbaum

Betrachten wir die natürliche Entwicklung eines Apfelbaumes, wenn er sich aus einem Kern entwickelt. Der Apfelkern muss zunächst in der Erde die Winterkälte erfahren. Äusserlich sichtbar geschieht dabei nichts, aber die Kälte stimuliert den Keimimpuls, so dass im zeitigen Frühjahr ein kleines Pflänzchen entsteht, das sich nun zu einem beachtlichen Spross entwickelt. Das lebendig quellende und in die Höhe strebende Leben erfährt dann im Herbst eine erste Reifung. Es zieht sich in die Knospen für das nächste Jahr zurück. Erneut ergreift im  nächsten Frühling das Leben das  kahle Holz und lässt den Apfelsämling schon zu einem kleinen Bäumchen wachsen. Noch einige Jahre wird dieses Bäumchen so weiter wachsen und ohne zu blühen nach und nach immer einen grösseren Lebensraum einnehmen. Diesen ersten Lebensabschnitt bezeichnet man als Jugendphase. Blüh- und Reifeprozesse sind noch nicht ausdifferenziert. Sie äussern sich in klein­blätterigem Laub und horizontal  abgehenden Seitenästen, die sich  sogar dornenartig ausbilden können. Nach einer Phase des Wandels, des  Übergangs tritt der junge Apfelbaum in den adulten Lebensabschnitt und wird fruchtbar.

Greifbar die reifen Äpfel – noch verborgen die Knospen fürs nächste Jahr.

Fruchtbildung nach und nach

Betrachten wir den Fruchtbildeprozess etwas genauer. Er erstreckt sich über zwei Jahre und gliedert sich in einen verborgenen und einen sichtbaren Abschnitt. Im Frühsommer des ersten Jahres findet die so genannte Blühinduktion statt. Ohne dass dies äusserlich oder stofflich feststellbar wäre, entscheidet sich in jungen Knospen, ob sie sich im Herbst von Blattknospen zu Blütenknospen ausdifferenzieren können.

Nach der Winterruhe öffnen sich dann mit den ersten Blättchen die Blüten, und damit zeigt sich in voller Pracht, was sich schon fast ein Jahr im Verborgenen vorbereitet hat. Mit der Blüte erfährt der Fruchtprozess eine deutliche Umstülpung. Was inner lich vorbereitet wurde, tritt gleich sam als Vision nach aussen: in zarter Farbe, duftend und mit süssem Nektar. Wie ein erlöschendes Feuer verschwinden nach der Apfelblüte Duft und Farben aus dem Baumgarten. Alles wird grün. Mit diesem zweiten Neuanfang werden die Stoffe von den Lebenskräften voll ergriffen. Es entwickeln sich kleine grüne, manchmal auch braunrote Früchtchen. Und lange noch ist Grün die dominierende Farbe der grösser werdenden Äpfel. Wer hineinbeisst, dem zieht sich der Mund zusammen, sauer und grasig schmecken die unreifen Früchte. Mit der Reifung geschieht eine erneute Umstülpung im Fruchtbildeprozess: Die Stärke verwandelt sich in Zucker, was sauer war, wird aromatisch und die grüne Schale leuchtet in gelben und roten Farbtönen auf.

Reife teils früher, teils später

Die Reifung ist beim Apfel sehr sortentypisch. Frühsorten sind bereits im Hochsommer reif. Sie sind sehr schnell gewachsen, schnell gereift und halten oft nur eine kurze Zeit, bis sie weich und überreif werden. Als erste neue Äpfel sind sie jedoch sehr geschätzt. Herbstsorten erreichen ihre Genussreife am Baum. Sie schmecken am besten, wenn sie vollreif gepflückt werden. Sie sind gekühlt noch ein paar Wochen haltbar.

Anders ist es bei den Lagersorten. Sie haben zur Zeit ihrer Pflückreife ihre Genussreife meist noch nicht erreicht. Sie müssen am Lager weiterreifen und entwickeln erst da ihr volles Aroma. Mit dem Lagern wird mehr und mehr Säure abgebaut, aber auch das Fruchtfleisch wird weicher. Die Kunst der Lagerhaltung besteht darin, jede Apfelsorte unter den Bedingungen, die ihr am zuträglichsten sind zu lagern, und sie als Frucht zum Verzehr anzubieten, wenn sie am Köstlichsten schmeckt.

Niklaus Bolliger

Poma Culta Apfelzüchtung

www.pomaculta.org

Ein Huhn, zwei Nutzen, dank Ihren Spenden

Das im FondsGoetheanum im Oktober 2008 vorgestellte Forschungsprojekt des Vereins für biologisch-dynamische Landwirtschaft und des FiBL zum Zwei- nutzungshuhn hat sich erfolgreich weiterentwickelt.

Dieses Projekt hatte zwei Ziele: Erstens eine Hühnerlinie zu finden, die robust ist, zwei bis vier Jahre lebt und während dieser Zeit eine gute Legeleistung hat, und zweitens, dass alle Küken am Leben bleiben. Denn die heute übliche Eierproduktion ist anders. Die Hühner sind auf hohe Legeleistung und wenig Futterverbrauch gezüchtet und leben maximal 1,5 Jahre. Die einen Tag alten Küken werden nach Geschlecht getrennt. Die männlichen Küken werden getötet, die weiblichen aufgezogen. Bei diesen Hühnern geht die Eierproduktion nach einer Lebensdauer von 60 – 70 Wochen rapide zurück, die Hühner werden geschlachtet und das Fleisch wird als Tierfutter verwertet.

In der Versuchsreihe verschiedener Hühnerrassen überzeugte die Rasse Sussex. Sie hat sich auf den 6 Demeter-Höfen, die sich als Versuchsbetriebe zur Verfügung stellten, sehr gut bewährt, nicht nur in Bezug auf die Eierproduktion. Die Hühner verhalten sich artgerecht. Sie zeigen das ursprüngliche Verhalten bei der Futteraufnahme und insbesondere in Bezug auf ihren natürlichen Feind, den Habicht. Die Bestätigung der guten Eigenschaften auf den Höfen führte dazu, dass im Frühling 2010 die erste Bio-Elterntierherde im FiBL-Hof aufgezogen wurde. Ab November dieses ­Jahres sind Bio-Bruteier zum Ausbrüten der Küken verfügbar. 

Sussex-Hühner im Freilauf.

Die letzte Projektphase, die Aufzucht der männlichen Küken, hat begonnen. Der erste Vorversuch war erfolgreich. Die Sussex-Hähnchen haben sich gut entwickelt. In der Verkostung ist das Fleisch durchwegs als sehr gut beurteilt worden, es ist muskulöser und zugleich kräftiger im Geschmack. Nicht nur die Aufzucht der Hähnchen bedeutet Neuland, sondern auch die Vermarktung dieser speziel­len «Poulets». Denn sie sind etwas teurer als herkömmliche Poulets. Wir hoffen, dass sich ge­nügend Menschen finden, die bereit sind, für diese umfassende Qualität den etwas höheren Preis zu bezahlen.

Die Hühner können dank der robusten Rasse länger leben und die männlichen Küken werden nicht gleich nach dem Schlüpfen getötet. Der FondsGoetheanum hat ermöglicht, dass dieses wichtige Forschungsprojekt realisiert werden konnte.

Susanna Küffer Heer 

www.demeter.ch

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