Bienen stellen Heilmittel her

Bienen stellen aussergewöhnliche Substanzen her, die heilend wirken. Honig wird erfolgreich für medizinische Wundbehandlungen eingesetzt. Bienenwachs löst Blockaden und Schmerzen, und das Bienengift erweist sich als hochwirksames Mittel gegen Gelenkschmerzen und chronische Entzündungen.

Tiefe Zusammenhänge bestehen zwischen Bienenvolk und Mensch. Einzigartig für das Insektenreich beispielsweise ist die Tatsache, dass Honigbienen in ihrem Stock eine Bruttemperatur aktiv unterhalten, die sehr nahe bei der Körper­temperatur des Menschen liegt 1). Im Umkreis menschlicher Körper­temperatur verdichten Honigbienen in ihrem Stock aussergewöhnliche Substanzen wie Honig, Bienenwachs oder Knospenharze.

Wer ihre kunstvoll geformten Waben, die Farben der gesammelten Pollen und die feinen Honigarten unbefangen betrachtet, versteht, warum in alten Hochkulturen die Honigbiene immer mit den licht- und weisheitsvollen Kräften der Natur in Zusammenhang gebracht wurde, welche die Menschen auch gerne in sich selber stärken möchten. Die heutige Forschung zeigt aber auch, dass verschiedene Bienenprodukte für den Menschen sehr wirksame Heilmittel sind.

Honig ist eines der wissenschaftlich am besten dokumentierten Wundheilmittel.

Honig als Wundheilmittel

Medizinisch ist Honig eines der wissenschaftlich am besten dokumentierten Wundheilmittel, vor allem im englischen Sprachraum 2). Besonders der neuseeländische Manukahonig 3) zeigt für medizinische Wund-behandlungen überzeugende Resultate. Durch staatlich geförderte Forschungsprojekte wurden in Neuseeland spezielle medizinische Wundauflagen entwickelt, die alle An-forderungen von modernen Wundmaterialien erfüllen können. Mittlerweile ist sehr genau bekannt, welche Honig-arten und welche Verarbeitungs-technik notwendig sind, um medizinisch sichere und hoch-wirksame Wundauflagen herzustellen 4). Die Enzymaktivität des Honigs reinigt die Wunde auf schonende Weise, wirkt antibakteriell und regt die Wundgranulation an. Wenn Honig jedoch zu lange dem Licht ausgesetzt wird, verliert er diese Heilkraft.

Natürliches Wärmepack

Bienenwaben sind das innere Gerüst und der Halt des Bienenvolkes. Bienenwachs ist chemisch eine ungewöhnliche Substanz 2). Er wird mit wenig Wärmezufuhr sofort weich und plastisch formbar und hält diese Wärme ungewöhnlich lange in sich. In der Medizin kann man mit warmen Bienenwachs-Packungen diese Eigenschaften nutzen und Bienenwachs anatomisch an bestimmte Körperteile anformen. Die tiefgreifende Wärmevermittlung löst Blockaden und Schmerzen.

Bienenharz wirkt antimikrobiell

Eine medizinisch besonders interessante Substanz ist das Bienenharz. Bienen sammeln Harze von bestimmten Baumknospen und verarbeiten diese zu einer antimikrobiell hochaktiven Substanz, dem sogenannten Propolis. Mit dieser Substanz können sie ihren Bienen­stock weitgehend von den häu­fig­sten Mikroben (Bakterien, Pilze usw.) freihalten. Diese antimikro­biellen Eigenschaften von Propolis sind auch für die Human­medizin sehr interessant. Fein verteilt ist Propolis auch im Bienenwachs präsent. Ganz frisch von den Bienen zubereitetes Wachs ist weiss und erst der Kontakt mit Propolis gibt dem Bienen­wachs seine charakteristische Gelbfärbung.

Kerzen ziehen, Husten weg

Beim Schmelzen von Wachs wird auch immer etwas Propolis freigesetzt. Eltern können beispielsweise beobachten, dass ihre ständig hustenden Kinder nach einem Anlass mit Bienen-wachskerzenziehen plötzlich nicht mehr husten. In den warmen Bienenwachsdämpfen kann das gelöste Propolis seine anti-mikrobielle Wirkung entfalten. Medizinisch ist dieses natürliche Antibiotikum von besonderem Interesse, wie eine Viel­zahl von wissenschaftlichen Arbeiten auf der ganzen Welt belegt. Da aber allergische Dispositionen bei einzelnen Menschen zu ungewöhnlichen Reaktionen auf Propolis führen können, erfordert die medizinische Anwendung dieser Substanz immer besondere Sorgfalt und Umsicht.

Bienengift als hochwirksame Medizin

Umsicht und Sorgfalt gelten in besonderem Masse auch für die stärkste Substanz der Bienen: dem Bienengift. Die wissen-schaftliche Aufschlüsselung der Substanzkomposition des Bienengiftes ergab eine Vielzahl von medizinisch hoch­aktiven Substanzen 3). In der Volksmedizin gilt Bienengift als gutes Mittel gegen Gelenkschmerzen und chronisch entzündliche Erkrankun­gen. Inzwischen wurde durch medizinische Forschungen entdeckt, dass durch einen Bienenstich klinisch relevante Mengen von körper­eigenen entzündungshemmenden Sub­­stanzen ausgeschüttet werden, welche solche Effekte auch schulmedizinisch verständlich machen 5). Da bei Allergikern auf Bienengift schwere Reaktionen auftreten können, sind solche Therapien medizinischen Zentren vorbehalten. In Amerika, Asien und Osteuropa gibt es mittlerweile eine Vielzahl von Apitherapie-Ambulatorien, die sich auf solche Behandlungen mit Bienengift spezialisiert haben.

Weniger heikel in der medizinischen Anwendung sind verschiedene potenzierte Bienenpräparate. In der Homöopathie hat sich Apis vor allem bei akuten Entzündungsreaktionen bewährt, die die Kardinalsymptome eines frischen Bienenstiches zeigen, wie akute Rötung, Überwärmung, Schwellung und Berührungsempfindlichkeit (Simile-Prinzip).

Auch in der Anthroposophisch erweiterten Medizin haben Bienenprodukte einen hohen Stellenwert. Die Ita Wegman Klinik in Arlesheim beispielsweise hat aus Bienen­produkten verschiedene Heilmittel entwickelt, wie z.B. Propolis als Tinkturen oder Salben gegen Bakterien und Pilzinfektionen. Es werden auch verschiedene Bienenwachs­auflagen verwendet, zum Beispiel bei Atemwegs-infekten oder gegen Rückenschmerzen. Potenzierte Apis­zubereitungen – meist im Verdünnungsbereich D3 bis D30 – werden beispielsweise eingesetzt bei Erkrankungen mit überschiessenden Entzündungsreaktionen, um Selbst­heilungskräfte und innere Strukturierung anzuregen.

Die Anthroposophisch erweiterte Medizin geht von einem qualitativen Zusammenhang der Honigbiene mit höheren Gestaltungskräften aus, die auch im Menschen wirksam sind. Im Menschen werden diese Kräfte durch sorgfältig eingesetzte Heilmittel aus den Bienenprodukten angesprochen und aktiviert. Die Bienen schenken uns also nicht nur süssen Honig, sondern auch kostbare Heilmittel.

Dr.  med. Clifford Kunz

1) Tautz J., Der Bien, über den Superorganismus Honigbiene
2) Igelbrink D. / Kramer A., Dissertation zur mikrobioziden Wirkung von antibakteriellem Honig, 2011
3) Manukahonig wird von den Honigbienen aus dem Blütennektar der Südseemyrte erzeugt.
4) Bogdanov S., www.agroscope.admin.ch 
5) Krauskopf A. / Reiter C., Studie zum Einfluss des Bienengiftes auf den Cortisolspiegel des Menschen, 2007

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Honig in der Ernährung

Honig ist eines der ältesten Süssungs-mittel und kann
verschiedene gesund-heitsfördernde An-regungen im
Alltag geben.

• Vielen ist sicherlich die günstige Wirkung von heisser Milch mit Honig bei Halsschmerzen oder Verschleimung der Bronchien bekannt wie auch eine beruhigende und sogar einschlaf-fördernde Wirkung von Honig am Abend. Beruhigend wirken vor allem die dunklen Sorten wie Wald- oder Tannenhonig (Honigtauhonige).
• Es scheint naheliegend, dass die Bienen dem Honig auch ihre «Formkräfte» mitgeben. Für den älteren Menschen ist es wichtig, die eigenen aufbauenden und erhaltenden «Formkräfte» zu stärken. Hier kann die regelmässige Einnahme von Honig – es genügt eine Menge  von einem Teelöffel bis Esslöffel täglich – eine Hilfe sein. Insofern kann man älteren Menschen empfehlen, eine solche Honigkur über einen längeren Zeitraum einmal zu erproben. Der ältere Mensch kann den Honig unverdünnt direkt zu sich nehmen.
• Auch für Kleinkinder, deren «Form­kräfte» zu schwach sind, um ihre Knochen zu verfestigen (Rachitisdisposition) kann eine tägliche kleine Gabe von einem erbsengrossen Stück Honig angebracht sein 1). Diese Anregung von Rudolf Steiner gilt insbesondere für Kleinkinder bis etwa drei Jahre und dann wieder zur Zeit des Zahnwechsels mit sieben Jahren und älter (Schulalter), wo eine Lösung  dieser «Formkräfte» von der nun  mehr abgeschlossenen Zahnbil­dung zu Kräften des Nerven-Sinnes-Systems und des Denkens erfolgt. Bei Kindern ist es gut, den Honig in warmer Milch aufzulösen (ca. ¼ TL). Grössere Mengen sind im Kleinkindalter nicht zu empfehlen.

1) Die Behörden empfehlen, Säuglingen im ersten Lebens­jahr keinen Honig zu geben. Hintergrund ist, dass Honig Keime vom Bakterium Clostridium botulinum enthalten könne, gegen die sich der Organismus des Säuglings noch nicht wehren kann.