My Name is Bond, Youth Bond

Wir sollten in die Ideen und Projekte junger Menschen investieren, ihre Träume nutzen und ihre verborgenen Fähigkeiten fördern. Mit Youth Bonds!

Der englische Dichter Wordsworth schrieb einst, dass Neugeborene aus herrlichen Wolkenspuren kommen. Er meinte damit – ob wir es verstehen oder nicht –, dass Menschen nicht aus molekularen Kollisionen entstehen. Sie kommen aus Irgendwo und bringen Begabungen, angeborene Fähigkeiten und Interessen mit auf die Erde, vor allem das Potenzial für die Biographien, die sich dann entfalten. Und gestalten daraus den nächsten Schritt der Geschichte.

Der Schriftsteller Wordsworth – der den Ehrentitel «Poet von hohem Ansehen» erhielt – gehörte einer Zeit an, in der die tiefere Einsicht in die Geschichte noch nicht durch die dunklen Schatten der industriellen Revolution verdeckt wurde. Seither wird alles Lebendige mechanistisch verstanden. Die Dürre der industriellen Gesellschaft bewirkt mit ihrem engen Begleiter, dem Geld, dass die Menschheit Sinn und Inhalt in Wissenschaft und Vergangenem statt in dem sich frei entfaltenden Leben junger Menschen sucht.

In die Jugend investieren ist niemals verlorenes Geld.

Statt junge Menschen zu fördern aus der immensen Geldmenge, in der unsere moderne Gesellschaft zu ertrinken droht, wollen wir Kapital bewahren. Statt das Geld zirkulieren zu lassen, unterwerfen wir alles dem Finanzmarkt und treiben die jungen Menschen in Schulden, statt sie zu fördern. Dies speziell dann, wenn wir ihnen Geld fürs Studium leihen, was in vielen Ländern ausserhalb der Schweiz üblich ist. Die daran geknüpften Bedingungen zeigen, dass wir die Jugend nicht verstehen und ihr gegenüber missgünstig sind. Studentendarlehen sind realitätsfremd.  

Mit diesem enormen Misstrauen der Jugend gegenüber zerstören wir deren Vertrauen. Ganz anders wäre es, wenn junge Menschen die notwendige Liquidität dann und in der Höhe bekämen, wenn und wie sie diese benötigen. Und sie erst dann zurückgeben müssten, wenn ihre Lebensumstände ihnen dies erlauben, statt zu den vom Geldgeber im Voraus festgelegten Bedingungen.  

Dafür müssten Jugend-Anleihen angeboten werden, die von Menschen gezeichnet werden, die dem Geld erlauben, weiterzufliessen, auf unbestimmte Zeit oder vielleicht für immer weg von ihnen. Statt das Geld in starren Immobilien oder höchst volatilen Finanzmärkten zu lagern, sollte es in die Entwicklung und Entfaltung neuer Talente, neuer Biographien fliessen – und dadurch in neue Werte. 
Jugend-Anleihen sind das fehlende Instrument in der heutigen Finanzwelt. Ihre Abwesenheit – das heisst unsere Weigerung, Kapital vergehen, «sterben» zu lassen – ist der Grund für das exzessive Ausmass und die inhärente Instabilität unseres Finanzwesens. 

Wo sollen wir beginnen? Diese Jugend-Anleihen existieren schon überall da, wo jungen Menschen Geld zur Verfügung gestellt wird, sodass sie ihr Lebensziel erreichen können. Dies geschieht meist durch die Familie oder Freunde, und es geschieht informell. Aber das ist auch die wirtschaftliche Bedeutung von steuerbegünstigter Ausbildung, wobei eine Gemeinschaft einen Teil ihres Einkommens ihrer Jugend zur Verfügung stellt. Kein expliziter Vertrag wird in solchen Fällen erwartet, weil Vertrauen ins Leben normal und natürlich ist.  

Junge Menschen werden ihre Ausbildung zum Guten nutzen – mit Blick darauf, welche Dienstleistungen sie der Gesellschaft zur Verfügung stellen können, und nicht in Bezug auf das Einkommen, das sie dank ihrer Ausbildung erzielen. Ob für Ärzte, Lehrer, Handwerker – das der Jugend übergebene Geld muss ohne Rücksicht auf den künftigen Einkommensstrom erfolgen. Kapital muss fliessen, dann fliessen auch Geschenke und Spenden. Nur für sich selbst arbeitend, erzielt niemand Einkommen; Einkommen kann nur durch Dienstleistungen an die Gemeinschaft erzielt werden. Neben den vielen existierenden informellen Instanzen, die jungen Menschen vertrauen, brauchen wir die formale Möglichkeit von Jugend-Anleihen. 


Christopher Houghton Budd


«Jugend-Anleihen sind das fehlende Instrument in der heutigen Finanzwelt.»    


Spenden

So investiert man clever
Die Gründer der Sport Components AG hatten aus ihrem persönlichen Bedürfnis heraus ein Fahrradventil für Schlauchlos-Reifen (milKit.bike) erfunden und stellten erfreut fest, dass viele andere dieses Ventil gerne auch haben wollten. Die Nachfrage war gross. 

Sie planten die Produktion dieses Ventil-Systems. Doch wie viele andere Start-ups standen die Erfinder schon nach kurzer Zeit vor dem Problem, zu wenig Kapital zu haben, um das Ventil-System fertig zu entwickeln, herzustellen und zu vertreiben.

Gute Ideen können oft mangels Geld nicht realisiert werden

Die Suche nach Geldgebern gestaltet sich in der Schweiz oft schwierig, so auch für dieses Ventil-System. Denn trotz tiefer Zinsen zögern viele, beim Investieren ein Risiko in Kauf zu nehmen.  

Dabei gibt es in der Schweiz eine innovative und äusserst dynamische Start-up-Szene, welche zur Umsetzung ihrer Ideen und der daraus entwickelten Projekte dringend auf Startkapital angewiesen ist.  

Als potenzielle Geldgeber für Start-ups könnte man die Pensionskassen sehen, denn sie verfügen über genügend Kapital. Aufgrund des Risikos investieren sie nur äusserst selten in junge Firmen.  

Die CoOpera Beteiligungen AG, welche zur Pensionskassen-Sammelstiftung PUK gehört, bildet hier eine Ausnahme. Sie unterstützt junge Unternehmen und ist auch bei der Sport Components AG tatkräftig eingesprungen.  

Die Fremdbestimmung von Unternehmen durch gewinnorientierte Investoren ist in der heutigen Wirtschaft selbstverständlich. Das heisst konkret, dass dadurch bei Entscheidungen anstelle des langfristigen Unternehmenserfolgs oft kurzfristige Profite ins Zentrum gestellt werden.  

Auch hier geht die CoOpera einen anderen Weg und fokussiert auf die erreichten Ziele der wachsenden Firma. Das Bestimmungsrecht gibt sie deshalb bewusst an die Unternehmer ab, steht diesen aber beratend zur Seite. Werden Gewinne erzielt, nimmt die CoOpera nur einen Teil davon für sich, der Rest fliesst zurück an die Firma zur Finanzierung der weiteren Entwicklung.

«Die Suche nach Geldgebern gestaltet sich oft schwierig.» 
In den heutigen Unternehmen sind solche Ansätze kaum verbreitet – zu wichtig scheint oft die Verantwortung gegenüber den Investoren, einen möglichst grossen Gewinn ausschütten zu können. Es sollte unser Ziel sein, dass vermehrt über sinnvolle Investitions-Arten diskutiert wird und neu gedachte Modelle (wie z. B. auch zu finden unter www.purpose.ag) nicht nur gedacht, sondern auch umgesetzt werden.  


Pius Kobler