Interview mit dem Initianten des FondsGoetheanum

Der FondsGoetheanum ist eine Bewegung, die sich für die Werte des Menschen nachhaltig und kulturbildend engagieren will.


Marc Desaules, Vorstandsmitglied der Anthroposophischen Gesellschaft in der Schweiz, erklärt im Interview, warum es den FondsGoetheanum braucht.

Was ist Sinn und Zweck des neu ins Leben gerufenen FondsGoetheanum?

Zahlreiche Menschen schätzen und nutzen die Produkte und Dienstleistungen, entstanden aus anthroposophisch orientierter Forschung, wie Produkte aus Demeter-Landwirtschaft, Kosmetika und Medikamente von Weleda und Wala/Hauschka sowie die Steinerschulen, die heilpädagogischen Heime, die anthroposophischen Kliniken. Aber oft wissen die Anwender kaum, wie viel kontinuierliche und hingebungsvolle Forschung dahinter steckt. Also Kreativität und Arbeit, die diese Produkte und Dienstleistungen erst ermöglichten. Anliegen des FondsGoetheanum ist es, die Basis zu schaffen, um diese Forschung wirkungsvoll und direkt zu fördern. 

Wie ist der Fonds organisiert?

Schlank und effizient. Jede Spende wird aufgeteilt. Die Hälfte der Spendengelder fliesst in die angewandte Forschung des jeweiligen Arbeitsgebiets in der Schweiz. Die andere Hälfte wird für die allgemeine Grundlagenforschung an die Sektion des Goetheanum in Dornach SO (Schweiz).

Wer steht hinter dem FondsGoetheanum?

Die anthroposophische Bewegung in der Schweiz im weitesten Sinn. Rechtlich ist dieser Fonds in der gemeinnützigen Anthroposophischen Gesellschaft in der Schweiz verankert, die treuhänderisch die Geldflüsse transparent verwaltet.

Welche Impulse werden vom FondsGoetheanum ausgehen?

Geplant ist, ein bis zwei Mal im Jahr mit einer Publikation über die Arbeit und über die Forschung auf den verschiedenen Gebieten breit zu informieren, z.B. als Zeitungsbeilage wie diese hier. Darin wird anhand von konkreten Beispielen über den Stand der Dinge, über Schwierigkeiten, Perspektiven und Erfolge berichtet.

Auf welchen Gebieten wird informiert?

Die ersten Ausgaben widmeten sich der biologisch-dynamischen Landwirtschaft, der Anthroposophischen Medizin und Pflege, die Pädagogik, die Heilpädagogik und Sozialtherapie. Diese dem Altern und Sterben. Die Künste, die Wirtschaft werden dann in der Reihe folgen.

Wie nachhaltig ist die anthroposophische Methode? 

Ich denke, sie ist nicht nur vollumfänglich nachhaltig, sondern noch mehr: Sie ist kulturbildend. Nachhaltig heisst, den heutigen Zustand für die nach uns kommenden Generationen zu erhalten. Der anthroposophische Ansatz erzielt eine Steigerung des heutigen Zustandes mit mehr Kultur und mehr Menschlichkeit, wo mehr Freiheit und zugleich mehr Verantwortung des Einzelnen möglich sind.

Gibt es wissenschaftliche Belege dafür?

Ja, sicher, auf ganz unterschiedliche Arten und in verschiedenen Gebieten. Als Beispiel kann ich dazu die langjährige Forschung DOK im landwirtschaftlichen Bereich anführen, wo seit bald 30 Jahren die drei Anbaumethoden biologisch-Dynamisch, biologisch-Organisch und Konventionell (IP) verglichen werden. Dabei werden die Vorzüge der biologisch-dynamischen Anbaumethode nicht nur für die Erhaltung, sondern für die Verbesserung der Fruchtbarkeit der Erde deutlich und wissenschaftlich einwandfrei bewiesen.

Wer profitiert vom FondsGoetheanum?

Direkt werden die tätigen Arbeitsfelder in der Schweiz für die angewandte Forschung von der einen Hälfte der Spenden profitieren, die jeweiligen Sektionen des Goetheanums für ihre Grundlagenforschung von der anderen. Indirekt aber profitieren wir alle, da die Ergebnisse dieser Forschung überall und oft unsichtbar in die Fortschritte der Zivilisation fliessen.

Welche Produkte stehen für die Ideen des FondsGoetheanum?

Es gibt ganz wesentliche Produkte, wie zum Beispiel die schon erwähnten Produkte aus der biologisch-dynamischen Landwirtschaft oder die Weleda-, Wala- oder Tautropfen- Kosmetika, die Sonett-Seifen und -Waschmittel, die verschiedenen homöopathischen Medikamente aus der anthroposophischen Pharmazeutik, aber auch die unterschiedlichsten Pflegekuren und Heiltherapien. Dazu die pädagogische Lehrmethode der Steinerschulen, die immer wichtigeren Grundlagen der Kleinkindererziehung, die heilpädagogischen Ansätze, um nur die bekanntesten zu nennen. Weniger auffällig, aber ebenfalls bedeutend sind die Ergebnisse der allgemeinen wissenschaftlichen oder künstlerischen Forschungen.

Warum engagieren Sie sich für den FondsGoetheanum?

Weil ich überzeugt bin, dass wir heute nicht nur mehr Nachhaltigkeit brauchen, sondern auch mehr Kultur, mehr Kreativität, mehr Humanität, wenn wir ein wahrhaftiges Menschsein, in voller Freiheit und Verantwortung, für die kommenden Generationen ermöglichen wollen.

Wie kann man die Ideen des FondsGoetheanum mittragen?

Mittragen kann jeder Mensch durch einen einmaligen oder regelmässig wiederkehrenden frei gewählten Beitrag. Wir werden auch künftig über die Arbeit und die Entwicklung des FondsGoetheanum berichten.
 

Marc Desaules

Interview mit
Marc Desaules
, Vorstandsmitglied der Anthroposophischen Gesellschaft Schweiz.